Schweres Geschoss- oder: eine Abhandlung über die Liebe 

Liebes Tagebuch,

eigentlich wollte ich Dir heute von den vielen mentalen Möglichkeiten schreiben, sich mit Dauerregen zu arrangieren (....die Wahrnehmung des hübschen, monotonen Klopfens, die erfrischende Wirkung für Haut und Haar, das gute Gewissen, wenn man mal nix tut.... ),
aber dann war mir heute morgen doch eher nach einer Abhandlung über die Liebe.

Ja, ja, Du magst Dich wundern, wochenlang nix, und dann direkt schwere Geschosse auffahren, an denen sich die Philosophen der Welt schon die Zähne ausgebissen haben.
Fest steht zum Beispiel:
Dauerregen lieb ich absolut nicht-
aber bei Dauerregen mit Milchkaffee ein paar sinnlose Zeilen tippen, dies gehört durchaus zu meinen heiss geliebten Beschäftigungen.
Somit ist sie sehr müßig und schwer zu umreißen, die Frage nach der Liebe, und was sie nun eigentlich ausmacht,
und wer bitteschön würde das allgemeingültig formulieren wollen ???

Wäre es nicht schlauer, sich auf einen dauerhaft flexiblen Begriff der Liebe zu einigen,
der einen beständigen Wandel je nach eigener Situation, Lebensphase, und den Dingen und Personen die einem begegnen zulässt ??
Ich für meinen Teil habe zum Beispiel nie viel Wert auf Nutellabrote gelegt, da ich mir aber zur Zeit sämtliche Schokolade verkneife ( ...der schlechten Gewohnheiten wegen... ), sind Nutellabrote mittlerweile das abendliche Highlight eines langen Arbeitstages. Liebe also für etwas, was durch Entbehrung eines anderen entsteht ?

Und ist Liebe nicht vielleich auch was, was unbemerkt entsteht, da wo wir es vielleicht gar nicht erwarten ?
So wie das Moos, dass sich zwischen den Pflastersteinen aus den Ritzen empormogelt, da wos eigentlich keiner haben will,
bis wir dann merken, wie schön dieser flauschige Teppich unter den Füssen ist?

Und- um mal weg von meinen flapsigen Beispielen zu kommen- ist Liebe nicht auch das, was bleibt,
nach der ersten Entzauberung, wenn man begriffen hat, daß das Gegenüber doch kein überirdisches Wesen, sondern lediglich ein Mensch (...oder Gnom, oder Alien...) ist. Jemand der sich mit den gleichen unspektalären Eigenschaften durch einen ebenso unspektakulären Alltag schlägt?
Ist es nicht auch eine Art von Liebe, wenn wir dann immer noch wieder neues, schönes und faszinierendes in diesem ganzen Wust von Alltäglichkeit entdecken können ??

Und letztendlich, um meinen flapsigen Beispielen wieder gerecht zu werden-
ist Liebe nicht auch das Quentchen Humor, wächst sie nicht gerade da besonders gut, wo sie sich selbst nicht zu ernst nimmt ??

Und damit mein liebes Tagebuch überlasse ich Dich dem Regentag,
der gerade durch einen Hauch blauem Himmel aufgelockert wird.
Und wenn Du auch mal über die Liebe sinnieren willst, kannst Du dabei ja ein bißchen Velvet Underground hören.
http://www.youtube.com/watch?v=XSYGWwnjWbg

Bis bald,
Deine Gnomorella
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