Blutrünstige Gnomorella- oder aktive Bewältigung des TherapeutenTraumas 

Liiieeebes Tagebuch,

der Himmel ist blau, die Wölkchen ziehen fröhlich des Weges ( und ich tue nicht genervt, weil eigentlich seit drei Wochen ein Sturm über meine Stadt hinweg weht ), ich habe Frühsport gemacht, ich habe brav ein Brötchen mit Pflaumenmus gefrühstückt, es gibt keinen Grund zur Sorge, mir geht’s gut, ich bin ganz normal.
HAHA !
In meiner Küche tagt seit geraumer Zeit der große Kongreß angehender Psychotherapeuten, zu denen unter anderem eben auch die Frau, bei der ich wohne, gehört.
Seit Tagen werde ich nun also mit Fachbegriffen ( Hypothalamus, Amyktala, cholinerge Systeme ) berieselt, und wenn ich nicht aufpasse, wird jedes Blinzeln, jedes Hatschi und jedes Magenknurren was ich von mir gebe ungefragt analysiert, in seiner Entwicklung erläutert und zensiert.

Ich habe schon verschiedene Strategien ausprobiert, um damit umzugehen, aber langsam bin ich am Ende.

Tag 1 habe ich damit zugebracht, auf Nachfrage einige meiner blutrünstige Gemälde zu erklären. Hat aber keinen Spass gemacht, weil es weder einen Schock oder Gruseleffekt beim Gegenüber ausgelöst hat, noch ernsthaftes Interesse, zumindest nicht für die Bilder. Vielmehr hatte ich den Eindruck, dass jemand gerade sämtliche Diagnosekriterien für wahnhaft- schizoide Persönlichkeitsveränderungen mit Gewaltpotential vor seinem geistigem Auge runter betet.

Tag 2 habe ich mit stumpfem Protest reagiert. Während in der Küche diverse Fallbeispiele in allen Einzelheiten durchdiskutiert worden sind, habe ich im Flur nicht nur fleissig mitgeraten, sondern auch Bretter getragen, Bücher geschleppt, Kisten gestapelt, gehämmert, gefeilt, gebohrt und laut gepfiffen und zärtlich mit meinen neuen Bücherregalen gesprochen. Zwischenzeitig habe ich Anlaß für die Diagnose eines bulemischen Essverhaltens geliefert, weil ich ständig Schokolade, Brownies und Pizza essen musste, um bei Kräften zu bleiben.

Tag 3 ist also heute und ich habe alles „richtig“ gemacht. Bin früh aufgestanden, Sport gemacht, hab mir was nettes angezogen, habe mit dem Kongreß gefrühstückt, mich um ein Mindestmaß an Konversation bemüht – was soll ich Dir sagen, ich bin mit den Nerven am Ende ! Wenn wenigstens ein paar charmante psychotrope Substanzen für mich dabei herausspringen würden....

Nun hat mir RayFine just einen kurzen Bericht über einen charmanten kleinen Zombiefilm zukommen lassen nämlich: „Fido- gute Tote sind schwer zu finden“ http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,541011,00.html)- ach und was soll ich Dir sagen- es eröffnet irgendwie eine völlig neue Perspektive.
Die Zombies in dem Film sind gezähmt, man hat ihnen ein Halsband angelegt, so dass sie nun hübsch brav sind und keine Menschen fressen, sondern ihnen helfen, beim Putzen und Rasenmähen und so. Nur manchmal fallen diese Halsbänder halt aus, aber ein netter Zombie frisst halt nur die Leute die er vorher schon doof fand.
Und ach liebes Tagebuch, was soll ich Dir sagen- so eine blutrünstige Idee von einer Psychotherapeuten fressenden, blutgierenden Gnomorella scheint mir auf einmal als die Lösung aller Probleme...So gesehen bin ich mir nicht sicher, ob der dreitägige Psychotherapeuten Kongress in meiner Küche nun wirklich seinen Sinn und Zweck erfüllt hat......

Bis bald,
Deine Gnomorella

....ach ja, nebenbei sei noch angemerkt, dass ich die Frau bei der ich wohne ansonsten aber sehr gerne habe, ihr für ihre Prüfung alle 17 Daumen drücke und sie hochundheiligversprochen auch nicht fressen werde ! ;-)

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