- GLÜCKSWÜRFEL-  





Liebes Tagebuch,

der Tag heute war merkwürdig.

Bis ca. 12 Uhr hatte er sich zu einem gewaltigen „Üäh- Tag“ ausgewachsen.
„Üäh“- so wie: „Es gibt keinen äußeren Anlaß, aber ich hab trotzdem schechte Laune“.
Oder „Üäh“- wie: „Ich hab probiert zu meditieren, ich hab Ingwer Tee getrunken ( anstatt drei Liter Kaffee ) und ich könnt trotzdem alle Leute giftig angucken“

Es gibt so diese „Üäh“ Tage, die man nicht mal mit Hormonen oder Vollmond entschuldigen kann.
Es hilft auch nix, sich damit zu trösten, das wir alle nichtig und unrelevant angesichts der Unendlichkeit paraleller Universen sind, und das der Weltuntergang entweder 2006 oder 2060 eintreten wird ( jedenfalls habe ich das neulich schemenhaft auf irgendeiner Internetseite wahrgenommen), und es von daher nicht lohnt, sich längerfristig mit Sinnfragen oder Krisen auseinander zu setzten.

Nein, nein- „Üäh“Tage müssen ausgelebt werden- da müssen die Menschen bei denen man wohnt oder mit denen man verkehrt mal einfach ein bißchen leiden- es hilft nix- jedenfalls dachte ich das bis heute.

Aber liebes Tagebuch, jetzt gibt es ein Mittel gegen „Üäh“ Tage- jawoll!

GLÜCKS WÜRFEL- man muß sich das mal auf der Zunge zergehen lassen- GLÜCKSWÜRFEL....
jaja, Würfelzucker wird nun nicht mehr quadratisch präsentiert, sondern in Form von Wölkchen, Herzchen und etwas, was mit viel Phantasie vielleicht einem Kleeblatt ähnelt.
Nicht, das uns der Wellnesshype nicht schon ausreichend mit Glückstees, und Glückskeksen und Glücksschokolade versorgt hätte- nein- jetzt gibt es GLÜCKSWÜRFEL, und davon tut man sich einen in den Kaffee (...somit braucht man auch gar keinen Ingwertee mehr, und zumindest eine Droge im alltäglichen Leben hätte ihre Legitmation gefunden... ) und der Tag ist gerettet.

Jedefalls- als mich heute ein netter, junger Mann mit langem Haar fragte, ob ich denn auch ein „ Herz“ für meinen Kaffee wollte- da konnte ich keine schlechte Laune mehr haben. Sie war einfach weg. Wie ein feiner Rauchfaden selbstironischen Schmunzelns zog sie an mir vorbei in den blauen Himmel und lies sich nicht wieder blicken. Ja, und da hab ich gedacht, was bringt Dir die Lektüre über buddhistische Weisheiten am frühen Morgen, und die Erfahrung, das sitzendes „an nix denken“ ganz schön anstrengend sein kann, wenn es lediglich eines GLÜCKSWÜRFELS bedarf, um die Welt wieder ins rechte Lot zu rücken.

Nun, vielleicht braucht die Welt gar nicht so sehr die GLÜCKSWÜRFEL- sondern vielmehr die netten, jungen Männer mit langem Haar, die einem im richtigen Moment ein Stück Zucker anbieten, damit sie ein bißchen freundlicher wird. Und weil es leider – aus modischen Gesichtspunkten- nicht mehr soviele Männer mit langem Haar gibt, reicht es vielleicht auch aus, wenn wir uns gegenseitig öfter mal überhaupt irgendetwas anbieten:
Ingwertee, buddhistische Weisheiten, Debatten über Paralell- Universen oder ein bißchen Vollmond schauen. Das könnte der Welt unter Umständen ein bißchen weiter helfen – und ihren Untergang vielleicht über 2060 hinweg heraus zögern.

Bis bald,
Deine Gnomorella
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